Presseschau RBS - Mix: H.U.Steiner

 

RBS bis zum Hauptbahnhof Bern (ab 2000)?

 

  Schafft das blaue Bähnli die Fahrt zum Bahnhof? (Juni 2000, Bund)

 

Der Bund, 17. Juni 2000

TRAM

Schafft das blaue Bähnli die Fahrt zum Bahnhof?

Nur zwei Tramlinien ins Kirchenfeld, dafür künftig Direktfahrten Worb-Gümligen-Bahnhof Bern? Die regionale Verkehrskonferenz erstellt ein neues Tram- und Buskonzept für Berns Osten.

DANIEL BOCHSLER

Wieder einmal öffnet sich die Schublade, und die schon oft diskutierte (und 1991 zuletzt gescheiterte) Verlängerung des blauen Bähnlis durch die Markt- und Spitalgasse zum Bahnhof schafft es auf die Politbühne. Grund der Aufregung ist eine Studie, in der die Regionale Verkehrskonferenz (RVK) Varianten prüft, wie das Tram- und Busangebot im Osten Berns verbessert werden könnte. Für den Herbst plant die RVK ein Vernehmlassungsverfahren dazu.

Denn die Situation ist unbefriedigend: Erstens führen heute drei parallele Tramlinien über die Kirchenfeldbrücke in Berns Ostquartier. Zweitens endet das Tram aus Worb-Muri (Linie G) auf dem Casinoplatz, statt zum Bahnhof zu fahren. Drittens sind Gebiete Muri-Gümligens heute durch den öffentlichen Verkehr nicht erschlossen. Und viertens will der Kanton beim öffentlichen Verkehr sparen.

Tram Nr. 5 bis Saali-Gümligen?

Die RVK arbeitet laut SVB-Direktionsassistent Hans Konrad Bareiss an diesen Szenarien:

• Das Ostring-Tram wird bis Saali-Gümligen verlängert; das blaue Bähnli fährt neu von Worb-Gümligen direkt bis zum Bahnhof.

• Die Ostring-Linie bleibt; das Saalitram fährt über Seidenberg-Gümligen weiter nach Worb und ersetzt das blaue Bähnli (Linie G).

• Die Linie G fährt von Worb bis zum Bahnhof, ebenso das Saalitram; vom Ostring fährt ein Bus anstelle des Trams zum Bahnhof.

• Der vierte Baustein - «Nullplus» heisst er - lässt alles beim Alten.

Je nach gewählter Variante werden jetzt anstehende Investitionen fürs Muritram überflüssig: die Haltestelle auf dem neu gestalteten Casinoplatz respektive die Doppelspur am Hüsistutz in Muri (siehe «Bund» vom Mittwoch). RVK-Geschäftsführer Marco Rupp sieht darin kein Präjudiz für die Zukunft: «Wir planen für die nächste Generation. Die Pläne werden erst zwischen 2010 und 2020 verwirklicht, und dann sind die Investitionen amortisiert. »

Pro Bahn will 10-Minuten-Takt

Obwohl noch überhaupt nicht klar ist, wie das künftige Tramnetz aussehen soll, regt sich bereits Widerstand: Für Pro Bahn Schweiz darf nicht sein, dass eine Tramlinie verschwindet, denn dies ergäbe «nicht akzeptable Nachteile», steht in einer Pressemitteilung. Stattdessen schlägt Pro Bahn vor, auf den Linien 3 und 5 «nachfragegerechte 7,5- oder 10-Minuten-Intervalle» einzuführen, so die Zahl der Fahrten zu reduzieren und das Muritram bis ins Stadtzentrum zu führen. Damit wäre die Zahl der Tramfahrten etwa gleich gross wie bei zwei Linien im 6-MinutenTakt (und würde damit dem Ziel, nur zwei Linien ins Kirchenfeld zu führen, indirekt entsprechen). Diese Idee kommt aber für Rupp nicht in Frage: «Alle zehn Minuten ein Tram ist zu wenig. Das ist kein städtischer Takt mehr.» Und SVB-Direktionsassistent Hans Konrad Bareiss fände dies eine «markante Verschlechterung des Angebots».

Von der Zahl der Tramlinien im Osten könnte auch das Fischermättelitram betroffen sein - und umgekehrt. Weil die Trams wenn möglich als Durchmesserlinien am Berner Bahnhof vorbeifahren, braucht es im Westen möglichst gleich viele Linien wie im Osten. Kommt das Tram Bern West, könnte das Fischermätteli-Tram durch einen Bus ersetzt werden; im Vordergrund dürfte die geplante neue Buslinie nach Köniz stehen («Bund» vom 11. 5.). SP-Stadtrat Markus Lüthi hat am Donnerstag vom Gemeinderat mittels Interpellation Auskunft dazu verlangt. Auch die Linien im Osten könnten Einfluss darauf haben.

2 Buslinien für Muri-Gümligen

Freuen kann sich dagegen Muri-Gümligen. Drei bisher nicht erschlossenen Gebieten könnte die Optimierung des Netzes Buslinien bringen: Die hintere Elfenau und das Mettlengässli profitierten wahrscheinlich von der Verlängerung des Elfenau-Busses (Linie 19), sagt Marco Rupp. Auch das Gümligenfeld erhält einen Bus, sobald dort Arbeitsplätze entstehen.