Presseschau RBS - Mix: H.U.Steiner

 

RBS - Doppelspurausbau in Muri

 

  Eigenes Trassee für die Bahn (Juni 2000, BZ)
  Muriger Parlament will Schiene und Strasse trennen (Juni 2000, BZ)
  Auch Kobi ist für separates Bahntrasse (Mai 2001, Bund)
  Das Bahntrasse ist viel sicherer (Mai 2001, BZ)
  Endlich wird am Hüsistutz gebaut (Juni 2001, BZ)
  Separates Trassee für die Bahn (Juni 2001, Bund)

 

BZ, 14. Juni 2000

RBS-DOPPELSPURAUSBAU IN MURI

Eigenes Trassee für die Bahn

An der Muriger Thorackerstrasse werden Schiene und Strasse getrennt. Trotz Kritik von Schlossherr Zygmunt Stankiewicz hält der RBS daran fest. Die Vorlage kommt nächste Woche vors Parlament.

Jörg André

Am kommenden Dienstag nimmt sich das Muriger Parlament einen happigen Brocken vor: die Umgestaltung der Thun- und der Thorackerstrasse bei der Sternenkreuzung. Die Linie G des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) wird in diesem Bereich auf Doppelspur ausgebaut und von der Strasse getrennt. Bei der Kreuzung Thunstrasse Mettlengässli entsteht ein Kreisel. Und entlang der Mauer von Schloss Muri wird auf der Thorackerstrasse ein vier bis fünf Meter breiter Rad- und Fussweg gebaut. Die Kosten für das Projekt belaufen sich auf knapp 10,7 Millionen Franken. Das Geschäft soll im Herbst an die Urne kommen.

Ärger beim Schlossherrn

Mit dem Bauvorhaben hat sich sogar schon der Bundesrat einmal befasst. Im Mai 1997 musste er über eine Beschwerde der Schlossbesitzerfamilie Stankiewicz-von Ernst befinden, welche sich gegen einen Doppelspurausbau wehrte. Doch die Landesregierung lehnte die Beschwerde ab. Zygmunt Stankiewicz gibt sich aber noch nicht geschlagen. In einem Brief an die Mitglieder des Muriger Parlaments macht er auf seine Sicht der Dinge aufmerksam. Das von seinem Anwalt Alec von Graffenried verfasste Schreiben führt vor allem ortsbildschützerische Gründe gegen das Bauvorhaben ins Feld. So werde der Strassenraum der Thorackerstrasse auf 27 Meter ausgeweitet. Für das Ortsbild sei dies verheerend, zitiert von Graffenried den kantonalen Denkmalpfleger Jürg Schweizer. Der RBS solle auf ein separates Schotterbett für die Gleise verzichten und die Schienen befahrbar und begehbar verlegen.

RBS hält am Projekt fest

Armin Beyeler, Chef der RBS-Bauabteilung, stellt eines klar: «An der Trennung von Schiene und Strasse wird nicht mehr gerüttelt.» Das Projekt sei so genehmigt worden und solle nun auch so realisiert werden. Einzig über Gestaltungsfragen könne noch diskutiert werden. «Das Trassee könnte beispielsweise begrünt werden», so Beyeler. Auch Gemeindepräsident Peter Niederhäuser (FDP) ist der Meinung, dass das Vorhaben nun ausgeführt werden soll. Vom Gemeinderat her könne das Geschäft deshalb unverändert vors Parlament kommen. «Es kann sein, dass der Rat die Genehmigung des Geschäfts mit Auflagen verknüpft», so Niederhäuser.

«Kuhhandel» mit Kirchweg

Zygmunt Stankiewicz hat das vorliegende Projekt kurzerhand mit der strittigen Frage des Kirchweges verknüpft. «Sollte an der Thorackerstrasse eine substanzielle Verbesserung im Sinne der Familie Stankiewicz erzielt werden, wäre diese im Gegenzug bereit, zu einem neuen Weg zur Kirche im Sinne der laufenden Verhandlungen Hand zu bieten», schreibt sein Anwalt im Brief an die Ratsmitglieder. Der Weg zu Muriger Kirche durch den Schlosspark ist seit Anfang 1999 geschlossen (die BZ berichtete). Peter Niederhäuser hat wenig Verständnis für die Verknüpfung dieser beiden Geschäfte. «Das hat wenig miteinander zu tun.

BZ, 21. Juni 2000

DOPPELSPURAUSBAU RBS

Muriger Parlament will Schiene und Strasse trennen

Das Muriger Parlament hat einer langjährigen Leidensgeschichte ein Ende gesetzt: Deutlich hat der Rat die Umgestaltung der Thorackerstrasse genehmigt. Strittig war die Trennung von Schiene und Strasse.

Jörg André

Die Meinung des Muriger Gemeindeparlaments ist klar: Mit 31 zu 4 Stimmen hat der Rat der Umgestaltung der Thun- und der Thorackerstrasse gestern Abend klar zugestimmt. Gleichzeitig genehmigte der Rat einen Kredit von gut 4,4 Millionen Franken. Das Projekt. besteht aus verschiedenen Teilen: Der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) wird die Linie G vom Mettlengässli bis zum Seidenberggässchen auf Doppelspur ausbauen. Die Schienen werden insbesondere am Hüsistutz von der Strasse getrennt. Bei der genannten Einmündung entsteht ein Kreisel. Entlang der Thorackerstrasse ist ein vier bis fünf Meter breiter Fuss- und Radweg geplant. Die Kosten des Gesamtprojektes werden auf 10,7 Millionen Franken geschätzt.

Forum gegen Trennung

Die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer lag allen Fraktionen am Herzen. «Die Ansichten, wie die Sicherheit verbessert werden kann, gehen offenbar auseinander», sagte Kathrin Mangold (Forum). Ihre Fraktion wehrte sich gegen die Trennung von Schiene und Strasse. Das Projekt sei aus dem letzten Jahrhundert. «Wer würde ein Projekt ausführen, das 12 Jahre in der Schublade lag?» mahnte Mangold. Jedoch ohne Wirkung: Die anderen Parteien waren froh, dass die über 20-jährige Planungszeit für dieses Projekt ein Ende hat. Die heutige Situation sei für die Schulkinder unerträglich, sagte Ulrich Kräuchi (SP). Es sei unmöglich, es allen recht zu machen, fasste Johannes Matyassy (FDP) zusammen.

Nicht zufrieden war der Rat mit der Gestaltung des Hüsistutzes. Dort sollen die Schienen ein Schotterbett erhalten und mit einem Geländer vom Veloweg abgetrennt werden. Ein Ortsplaner solle die Situation dort noch einmal überprüfen, verlangte die SVP in einem Vorstoss, der mit grossem Mehr genehmigt wurde. Keine Chance hatte ein Antrag des Forums, einen weiteren Fussgängerstreifen beim Egghölzliweg zu erstellen.

Schlossherr wehrte sich

Der geplante Doppelspurausbau hat eine längere Vorgeschichte. Zygmunt Stankiewicz, der Besitzer von Schloss Muri, hat sich bis vor den Bundesrat gegen das zweite Gleis gewehrt. Jedoch ohne Erfolg. In einem Brief hatte er sich zudem an die Mitglieder des Muriger Parlaments gewendet (die BZ berichtete). Darin beklagt er unter anderem die Beeinträchtigung des Muriger Ortsbildes im Bereich des Schlosses. Die Schienen des RBS sollten so gebaut werden, dass sie befahr- und begehbar seien, hatte Stankiewicz zudem gefordert.

Der Bund, 15. Mai 2001

MURI

Auch Kobi ist für separates Bahntrassee

Vertreter von Gemeinde, Kanton und RBS haben gestern den Medien dargelegt, wieso Muris Stimmvolk am 10. Juni Ja sagen sollte zur 10,7 Millionen teuren Umgestaltung der Strassen beim Schloss. Für ein separates Trassee des Blauen Bähnli trat dabei auch Kreisoberingenieur Fritz Kobi ein - sonst ein Befürworter des Miteinanders.

RAINER SCHNEUWLY

Muris Gemeinderat hat aus der Niederlage von 1999, als das erste Projekt für ein neues Laden- und Bürogebäude mit Seniorenresidenz auf dem Multengut an der Urne scheiterte, gelernt: Vor wichtigen Abstimmungen ergreift seither auch er die Initiative und lädt zu einer Medienkonferenz. So auch gestern. Mit Kreisoberingenieur Fritz Kobi war auch einer der Väter der neuen Waberer Seftigenstrasse anwesend, die weitherum als Vorbild für ein gutes Miteinander aller Verkehrsträger respektive -teilnehmer gilt. Kobi machte aber gestern deutlich, dass er die geplante Trennung von Strasse und Schiene am Hüsistutz befürwortet. Am 10. Juni befinden Muris Stimmberechtigte über das 10,7-Millionen-Projekt, das auch einen Kreisel auf der Thunstrasse und die Neuorganisation der RBS-Haltestelle Muri umfasst.

Nur mit zwei Zusatzampeln

Kobis Meinung ist auch deshalb von Bedeutung, weil ein Bürgerkomitee, bestehend unter anderem aus Architekten, Planern und Ingenieuren aus Muri-Gümligen, das vorgelegte Projekt im Bereich Hüsistutz für eine Verschandelung des Ortsbilds hält und fordert, dass dort Tram und Autos denselben Raum benützen (der «Bund» berichtete). Es hat auch einen Alternativvorschlag präsentiert, den Kobi aber für nicht oder nur schlecht umsetzbar hält. «Er hat eben nicht eine ganze Geschichte hinter sich wie dieses Projekt», sagte Kobi. Das findet auch Ingenieur Jean Perrochon, einer der Urheber des abstimmungsreifen Projekts. Wollte man den Alternativvorschlag verwirklichen, müssten bei der Einmündung des Egghölzliwegs und bei der Kurve der Thorackerstrasse zusätzliche Ampelanlagen montiert werden - mit entsprechenden Folgen für die Anwohnerschaft.

Doppelspur weiterhin nötig

Der Direktor des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS), Peter Scheidegger, sagte, der Ausbau der Linie G auf Doppelspur sei immer noch nötig. Mittel- und langfristig liessen sich ohne Doppelspur, und zwar «mindestens bis Gümligen/Siloah», keine Entlastungstrams zu Stosszeiten führen. Und das Blaue Bähnli könnte nicht betrieblich ins Netz der städtischen Trams integriert werden und allenfalls später einmal eine Durchmesserlinie, etwa nach Bümpliz, bilden. Wichtig sei die Trennung von Strasse und Schiene aber vor allem für schwächere Verkehrsteilnehmer. Die Thorackerstrasse werde im Allgemeinen nicht als gefährlich wahrgenommen, sagte Scheidegger, da das Verkehrsaufkommen gering sei. Doch wisse der RBS aus leidvoller Erfahrung, dass sich oft gerade an subjektiv als nicht gefährlich empfundenen Stellen Unfälle ereigneten. Wie es weitergehen würde, wenn das Volk am 10. Juni das Projekt ablehnte, wisse er nicht. «Man kann sicher eine Strassenbahnlösung verwirklichen, wie das die Gegner fordern. Aber nicht so, wie sie es tun.» Bis ein neues Projekt vorläge, dauerte es vier bis fünf Jahre - «ohne Einsprachen». Auf jeden Fall müssten, auch nach einem Nein an der Urne, die Gleise in der Kurve beim «Sternen» ersetzt werden.

Fragestunden zur Abstimmungsvorlage:

Die Gemeinde Muri führt am 30. Mai im Gemeindehaus und am 31. Mai im Mattenhof Gümligen von 17 bis 19 Uhr Fragestunden durch.

 

Was die Befürworter den Gegnern antworten

ry. Folgendes sagten gestern an der Pressekonferenz Vertreter von Gemeinde, Kanton und RBS zu Behauptungen der Gegner:

  • «Eisenbahntrassee mit Abschrankungen spaltet Muris Dorfkern»: Anders als in Wabern oder Zollikofen wolle am Muriger Hüsistutz fast niemand die Strasse queren, sagt Kreisoberingenieur Fritz Kobi. «Alle wichtigen Verkehrsverbindungen gehen längs, nicht quer», sagt auch RBS-Direktor Peter Scheidegger.
  • «Das Projekt ist nicht mehr zeitgemäss»: «In Wabern war es gar nicht anders möglich, als eine Strassenbahn zu bauen», sagt Scheidegger. Es sei durchaus zeitgemäss, dem Tram ein eigenes Trassee zu geben - dort, wo es sinnvoll sei. Durch die Verlängerung des Seidenberggässchens - das die «Grundidee des Projekts» - würden vor allem Velofahrer besser geschützt. Es sei falsch, dass ein Zaun das Gässchen vom Trassee trennen werde, sagte Muris Hochbauleiter Rolf Eberhard: Ein Geländer werde es sein.
  • «Alternativprojekt reduziert verbaute Fläche um rund 30 Prozent»: «Wegen der Begrünung des Trassees wird die Versiegelung am Hüsistutz nur 6,5 Meter breit», sagte Gemeinderätin Ursula Gutmann. «Es gibt mehr und nicht weniger Grün als beim Alternativprojekt», schreibt der RBS.

BZ, 15. Mai 2001

HÜSISTUTZ m MURI

«Das Bahntrassee ist viel sicherer»

Der Muriger Gemeinderat glaubt zusammen mit RBS-Direktor Peter Scheidegger daran, dass das vorliegende Projekt für den Hüsistutz das richtige sei. Die Sicherheit verlange das separate Bahntrassee.

Christine Nydegger

Die Ausgangspositionen sind bezogen: Nun nehmen auch der Muriger Gemeinderat, der RBS-Direktor und Kreisoberingenieur Fritz Kobi Stellung. Das Thema ist der Hüsistutz. Der Verkehr soll diesen kleinen Anstieg im Zentrum von Muri in separaten Spuren nehmen: Der Schlossmauer entlang die Fussgänger, dann die Velofahrerinnen, danach auf einem Grünstreifen das Blaue Bähnli und zu guter Letzt die motorisierten Fahrzeuge. Das ergibt zusammen einen Raum von fast 20 Metern Breite. Gemeinde, RBS und Kanton wollen diese Lösung. Ein Gegenkomitee, iniziiert von Peter Staub, Planer und Architekt im Ruhestand, bekämpft dieses Projekt und will eine Tramlösung ohne separates Bahntrassee (es stand in dieser Zeitung).

Ortsbild und Sicherheit?

Für Staub zerschneidet eine solch breite Strasse das Dorf in zwei Teile. Er und seine Komiteemitglieder führen vor allem den Ortsbildschutz an: Es stünden im Zentrum von Muri mehrere alte schöne Gebäude, die es zu schützen gelte, erklärt Peter Staub.

«Auch wir wollen das Ortsbild nicht verschandeln», antwortet die Muriger Gemeinderätin Ursula Gutmann (SVP). Darum sei das Projekt überarbeitet worden. Resultat dieser Arbeit ist der Grünstreifen, auf dem das Blaue Bähnli künftig fahren soll und die um einen Meter versetzte alte Mauer zwischen Strasse und Bahn. «Dadurch kann der Raum optisch wieder verengt werden», erklärt die Gemeinderätin.

Für den RBS-Direktor Peter Scheidegger ist das getrennte Trassee für sein Bähnli zwingend. «Es geht um die Sicherheit. Überall dort, wo sie eingerichtet werden kann, müssen wir dies tun», erklärt er. Unfälle ereigneten sich meist nicht auf den stark befahrenen Strassen. «Denn dort wissen alle, dass sie aufpassen müssen.» Laut Scheidegger passieren auf den weniger befahrenen und darum als ungefährlich erachteten Strassen weit mehr Unfälle. «Und gerade die Thorackerstrasse ist so eine Strasse.»

Und, so Scheidegger, das Ganze sei auch eine Zeitfrage. «Diese Planung dauert jetzt 15 Jahre. Und wir wollen endlich bauen.» Mit dem Projekt hat sich in der Vergangenheit das Bundesgericht befasst, weil die Schlossbesitzerfamilie Stankiewicz-von Ernst sich gegen den Strassenausbau wehrte. «Sieben Jahre hat uns das gekostet», schimpft Scheidegger.

Bewilligt vom Grossen Rat

In dieser langen Zeit hat das vorliegende Projekt bereits einen Teil des Instanzenweges zurückgelegt. So hat der Grosse Rat die Sache genehmigt und den Kostenanteil von 4,76 Millionen Franken an das insgesamt 10,7 Millionen Franken teure Projekt bewilligt. In Muri wird am kommenden 10. Juni abgestimmt. Rund 5 Millionen Franken wird die Sache für die Gemeinde kosten.

Wenn Muri Nein sagt zum vorliegenden Projekt, so müsste der RBS trotzdem handeln. «Ich will wirklich nicht den Anschein machen, als ob ich bei einem negativen Ausgang <trötzelen> würde», erklärt Scheidegger. Doch das Gleis sei in einem so schlechten Zustand, dass es sofort ersetzt werden müsste. Bis wieder ein neues Projekt auf dem Tisch liegen würde, könnten nach Ansicht von Peter Scheidegger und Ursula Gutmann gut und gerne 4 bis 5 Jahre vergehen.

Information: Am Montag, 21. Mai, um 20 Uhr führt das Forum im «Sternen» ein Podiumsgespräch durch. Informationen bietet der Gemeinderat am 30. Mai im Gemeindehaus und am 31. Mai im Mattenhofsaal, je zwischen 17 und 19 Uhr. Dort können Fragen gestellt werden.

KOMMENTAR

Die sichere Variante

Christine Nydegger

Andernorts gibts sie schon, die separaten Trassees fürs Tram. In Basel zum Beispiel und auch im Ausland. Und mit Gras zwischen den Schienen und Bäumen als Abschrankung sieht ein solches Tramtrassee im städtischen Raum eigentlich ganz schön aus. Sicher ist aber, ein Strassenraum von fast 20 Metern Breite, wie dies in Muri geplant wird, ist ein grosser Einschnitt. Das geben auch die Fachleute zu, die sich für das separate Bahntrassee am Hüsistutz einsetzen. Das Gegenkomitee, in dem ebenfalls Fachleute vertreten sind, erachtet diesen Eingriff ins Ortsbild als zu gross.

Für die Stimmberechtigten gilt es aber auch abzuwägen: Entweder die schnelle Umsetzung des bereits um Jahre verzögerten Projekts, mit einem separaten Bahntrassee, oder aber wieder eine Wartefrist von vier bis fünf Jahren und danach nur vielleicht eine sanftere Lösung. Kommt dazu, dass auch die neuen Baupläne durch Beschwerden bis vor die obersten Richter dieses Landes gebremst werden könnten. Das ist in Muri nicht selten, wie die Praxis zeigt. Das würde heissen: Der RBS ersetzt seine defekten Schienen, und alles bleibt beim Alten bis zum Sanktnimmerleinstag. Und dafür ist die heutige Situation dann doch zu gefährlich. Darum wird den Muriger Stimmberechtigten nichts anderes übrig bleiben, als den Fachleuten zu glauben. Und zwar denen, die vorwärts machen wollen und ein separates Bahntrassee als richtig erachten. Kreisingenieur Fritz Kobi zum Beispiel ist bekannt für sanfte Lösungen, dort, wo es Sinn macht. auch er befürwortet das separate Trassee fürs blaue Bähnli.

E-Mail: cnydegger@btm.ch

 


Kobi: «Für Muri ists richtig»

Kreisoberingenieur Fritz Kobi steht hinter dem Muriger Projekt. Dies, obwohl er sonst die sanften Lösungen liebt.

Interview: Christine Nydegger

Sie sind mit sanften Lösungen und Mehrzweckfahrspuren über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt geworden. Warum befürworten Sie die breite Schneise durch Muri?

Fritz Kobi: Jede Situation muss anders angeschaut werden. Jedes Projekt hat auch seine eigene Geschichte. Man kann nicht einfach sagen, jetzt gilt Wabern und Zollikofen überall. Mehrzweckspuren machen nicht Sinn, wenn keine Velofahrer oder Fussgänger die Strasse queren müssen.

Rechtfertigt in Muri die Geschichte einen 20 Meter breiten Strassenraum?

Nein, nicht die Geschichte im Allgemeinen. Sondern der Prozess, den dieses Projekt bis heute durchlaufen hat.

Dann hätte das Gegenkomitee einfach früher reagieren müssen?

Ja, denn auch dieses Projekt hat einmal Mitwirkungen erlebt. Sie haben 1987 noch nicht so geheissen, aber die Leute in Muri konnten auch damals ihre Meinung anbringen, das ist sicher.

Hätte das Komitee damals Chancen gehabt, mit seiner Ansicht durchzukommen?

Das kann ich so nicht sagen. Sicher bin ich aber, dass auch damals schon alle Aspekte angeschaut wurden. Doch offenbar waren die Leute des Komitees nicht aktiv. Sehen sie, es ist nicht sicher, dass das Projekt Hüsistutz mit einer neueren Planung anders oder gar besser herauskommen würde. Es gibt auf der Thorackerstrasse für mich nachvollziehbare Gründe für das Eigentrassee des blauen Bähnlis.

Was genau unterscheidet die Durchfahrten von Wabern und Zollikofen vom Hüsistutz in Muri?

Der grösste Unterschied ist, dass am Hüsistutz keine Querverbindungen hergestellt werden müssen. Es hat nicht wie in Wabern und Zollikofen links und rechts Läden und dichte Wohngebiete. Die meisten Anwohner leben auf der Seite, auf der die Strasse durchgeführt wird. Also für Autofahrerinnen und -fahrer wird gar kein Problem entstehen. Die Fussgänger und Velofahrer, die queren müssen, können das gut oben oder unten tun. Von den Einmündungen her spielt das praktisch keine Rolle. Das Bähnli hat im Bereich Hüsistutz nur die Funktion des Durchfahrens. Es gibt dort keine Haltestellen, das ist zu Wabern ein grosser Unterschied.

Aber der Eingriff ist stark Reichen da der Grünstreifen fürs Bähnli und die alte Mauer als optische Verengung?

Ja, das stimmt, der Eingriff ist gross. Aber die beiden Massnahmen bringen etwas. Das glaube ich schon.

BZ, 11. Juni 2001

GEMEINDEABSTIMMUNG IN MURI

Endlich wird am Hüsistutz gebaut

Klares ja zum Umbauprojekt Hüsistutz: Fast zwei Drittel des Muriger Stimmvolks wollen, dass Bahn- und Individualverkehr künftig auf verschiedenen Spuren rollen. Nun können die Bauarbeiten beginnen.

Bernhard Kislig

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Muris wollen nicht nochmals jahrelang warten, bis für den Hüsistutz ein neues Umbauprojekt vorliegt: 3058 befürworten die Vorlage des Gemeinderats, 1881 sind dagegen. Der Ja-Stimmen-Anteil beträgt somit 62 Prozent. Die Stimmbeteiligung liegt bei 55 Prozent. Das Ja zum Projekt Umgestaltung Thunstrasse und Thorackerstrasse bedeutet, dass das Tram künftig auf einem separaten Trassee - getrennt vom Individualverkehr - fahren wird. Es bedeutet aber auch, dass die Bauarbeiten bald beginnen können.

Freude im Gemeinderat

«Ich bin froh, dass das Resultat so deutlich ausgefallen ist», sagt SVP-Gemeinderätin Ursula Gutmann. Nach ihrer Ansicht haben vor allem folgende drei Gründe den Ausschlag gegeben für das deutliche Ja des Stimmvolks: erstens habe der Gemeinderat gut informiert, zweitens biete das jetzige Projekt mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer, und drittens wolle die Bevölkerung, dass es jetzt endlich vorwärts gehe.

Enttäuschung beim Forum

«Natürlich bin ich enttäuscht», kommentiert Gemeindeparlamentarierin Regula Natsch (Forum) das Abstimmungsresultat. Die Befürworter hätten vor allem mit Verkehrssicherheit für ihre Vorlage geworben. «Das bringt natürlich viele Stimmen.» Es sei fälschlicherweise auch der Eindruck entstanden, dass ein Alternativprojekt weniger sicher sei. Zudem stellt sie klar: « Es ging an diesem Abstimmungswochenende nicht um zwei verschiedene Vorhaben, sondern nur um ein Ja oder ein Nein zur Vorlage des Gemeinderats.» Das Alternativprojekt hätte noch im Detail ausgearbeitet werden müssen. Eine Interessengemeinschaft, welche sich für eine Alternative engagierte, kritisierte vor allem die Breite der Strasse. Statt 19,6 wollten sie nur 16,9 Meter.

Baubewilligung für Mauer

Doch der Entscheid ist gefallen. Widerstand gegen das Vorhaben ist höchstens noch im baurechtlichen Verfahren zu erwarten: Die Bewilligung für den Bau der Mauer, welche Trams und Individualverkehr voneinander trennt, ist nämlich noch nicht erteilt.

«Wir werden die Umsetzung des Projekts beobachten und uns - falls nötig - wieder bemerkbar machen», stellt Regina Natsch im Namen der Muriger Lokalpartei Forum auf Anfrage klar.

Das gesamte Bauvorhaben soll 10,7 Millionen Franken kosten. Davon bezahlt die Gemeinde Muri 5,8 Millionen Franken. Die Arbeiten sollen in den kommenden Jahren abgeschlossen werden und sind im Investitionsplan bis ins Jahr 2004 enthalten.

Gemeinderätin Ursula Gutmann betont, dass schon während der Bauarbeiten alles daran gesetzt werde, den Schulweg gut zu sichern.

KOMMENTAR

Gelernt und gewonnen

Bernhard Kislig

Ein deutliches Ja zu einem 10,7 Millionen Franken teuren Bauprojekt ist in Muri alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Im Juni 1998 erlitt der Gemeinderat mit seiner Vorlage für die Überbauung Multengut Schiffbruch: Das Stimmvolk sagte Nein. Nur wenige Monate zuvor hätte die Überbauung Villette um ein Haar das gleiche Schicksal ereilt. Diese Resultate sind noch in bester Erinnerung. Auch bei der jetzigen Vorlage zur Umgestaltung des Hüsistutzes haben sich mit einer Interessengemeinschaft und der Partei Forum wieder Gruppierungen auf engagierte Weise gegen die Vorlage gewehrt. Dementsprechend war in den Wochen vor der Abstimmung bei Befürwortern und Planern eine gewisse Verunsicherung spürbar.

In dieser Situation haben die verantwortlichen Politiker und Planer das einzig Richtige getan: Sie haben sich der nicht immer angenehmen Diskussion gestellt, sie sind früh auf die Ängste in der Bevölkerung eingegangen und haben sich bemüht, das Projekt auf verständliche Weise zu kommunizieren. So gelang es, den Gegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Und angesichts des hart umstrittenen Geschäfts geschah dies erstaunlich deutlich: 62 Prozent votierten für das 10,7 Millionen Franken teure Projekt. Der Gemeinderat hat seit dem «Multengut» hinzugelernt.

E-Mail: bkislig@btm.ch

Der Bund, 11. Juni 2001

MURI

Separates Trassee für die Bahn

Mit 3058 zu 1881 Stimmen haben sich Muri-Gümligens Stimmberechtigte an der Urne dafür ausgesprochen, dass das «Blaue Bähnli» am Hüsistutz vor dem Schloss ein separates Trassee erhält. Ende Jahr dürfte dort die Umgestaltung der Strassen beginnen.

RAINER SCHNEUWLY

Für rund 10,7 Millionen Franken werden demnächst die Gemeinde Muri, der Kanton Bern und der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) die Verkehrsverhältnisse beim Hotel-Restaurant Sternen in Muri umfassend verändern. Muri-Gümligens Stimmberechtigte haben gestern, an der Urne, mit 3058 (62 Prozent) zu 1881 Stimmen (38 Prozent) einem 4,9-Millionen-Franken-Anteil zugestimmt. Die Stimmbeteiligung betrug 55 Prozent. Geplant ist erstens der Bau eines Kreisels bei der Einmündung des Mettlengässli in die Thunstrasse in der Nähe der Muriger Gemeindeverwaltung. Zweitens wird die Thunstrasse bei der RBS-Haltestelle Muri um einige Meter nach Norden versetzt. Das verbessert die Platzverhältnisse an dieser Haltestelle. Drittens wird die RBS-Bahnlinie G ab dem «Sternen» auf Doppelspur ausgebaut und entlang der Mauer des Schlosses - am so genannten Hüsistutz - auf einem separaten Trassee verlaufen. Dieser Teil des Projekts war in Muri-Gümligen umstritten; im Abstimmungskampf setzte sich ein Teil der Linken, nämlich das Forum, die EVP und eine Bürgergruppe, für die Ablehnung des Projekts ein.

«Ausdruck des Unbehagens»

Regina Natsch, Präsidentin der Forum-Fraktion im Muriger Parlament, zeigte sich gestern dementsprechend enttäuscht. Sie interpretiert das Abstimmungsresultat als Ausdruck des Unbehagens über die unbefriedigende Situation: Offensichtlich hätten die Leute genug davon. Das Argument der Projektbefürworter, mit einem Ja werde die Lage endlich verbessert, habe sicher Stimmen eingebracht. Pläne für die Verbesserung der Situation beim «Sternen» existieren nämlich schon seit den 80er-Jahren. Laut Natsch dürfte auch eine Rolle gespielt haben, dass die Befürworter immer wieder gesagt hätten, nun werde der Hüsistutz sicherer.

Jürg Althaus, einer der Initianten des Komitees für eine nachhaltige Verkehrslösung am Hüsistutz, wertet das Resultat als «Entscheid für eine veraltete Planung und gegen eine vernünftige und sensible Lösung zugunsten des Ortsbilds». Er sei überzeugt, «dass sich einige Bürger noch die Augen reiben, wenn dereinst einmal alles steht». Das Komitee hält es für falsch, dass die Bahn schon vor dem Schloss ein Eigentrassee erhält. Schiene und Strasse dürften ihm zufolge erst am Siedlungsrand, also am oberen Ende des Hüsistutzes, getrennt werden. Das Komitee präsentierte deshalb im Abstimmungskampf auf einem Flugblatt eine Projektskizze für eine Strassenbahnlösung.

Verfahren für Mauer folgt

Gemeinderätin Ursula Gutmann hat das Resultat mit Befriedigung aufgenommen. Sie rechnet damit, dass Ende Jahr mit den Bauarbeiten begonnen wird. Als Nächstes muss nun ein Baubewilligungsverfahren für die Mauer durchgeführt werden, welche am Hüsistutz als Gegenstück zur Schlossmauer auf etwa 70 Metern Länge die etwas nach Nordwesten versetzte Thorackerstrasse vom Bahntrassee abgrenzen soll.

 

KOMMENTAR

Lieber den Spatz in der Hand...

RAINER SCHNEUWLY

Muri-Gümligens Stimmberechtigte haben an der Urne einem Projekt zugestimmt, das vom «Komitee für eine nachhaltige Verkehrslösung am Hüsistutz», vom Forum und von der EVP zu Recht als heikel bezeichnet worden ist. Die Verbreiterung des gesamten Strassenraums von heute nur etwa sieben oder acht Metern auf neu 19, 6 Meter im Dorf Muri ist tatsächlich happig. Ob es dank der Projektoptimierung von Architekt Rudolf Rast gelingen wird, das Ortsbild zu retten, wird sich wohl erst dann zeigen, wenn einmal die Arbeiten ausgeführt sind.

Wenn Muri-Gümligens Stimmberechtigte gestern trotzdem Ja zum offiziellen Projekt gesagt haben, dann wohl deshalb, weil sie endlich eine Verbesserung der in der Tat unbefriedigenden Situation vor dem «Sternen» wollten und keine echte Alternative vorlag. Das Bürgerkomitee hat zwar durchaus das Recht, nur Ideen vorzulegen, wie das einer ihrer Vertreter, Peter Staub, im «Bund»-Streitgespräch sagte. Doch indem es eine Projektskizze präsentierte, ergab sich eben trotzdem ein Wettbewerb zwischen zwei Vorschlägen, und der Skizze des Komitees hafteten nun mal Unsicherheiten an. Viel ausgemacht haben dürfte auch, dass sich Kreisoberingenieur Fritz Kobi - einer der Väter des verkehrstechnischen Miteinanders auf der Waberer Seftigenstrasse - für die Trennung von Bahn und Strasse am Hüsistutz ausgesprochen hatte.

Im Zweifel für oder wider das offizielle Projekt haben also viele Muri-Gümliger den Spatz in der Hand der Taube auf dem Dach vorgezogen. Soll heissen: Sie entschieden sich, ein Projekt gutzuheissen, das vom Ortsbildschutz her tatsächlich nicht vollständig befriedigt, wegen der engen Verhältnisse wohl gar nicht befriedigen kann, aber immerhin garantiert, dass schon bald etwas geht am Hüsistutz.