Presseschau RBS - Mix: H.U.Steiner

 

RBS - Umstellung auf Tram

 

  Muri-Tram: Darlehen des Kantons zur Erhöhung der Attraktivität (Jan. 1985, BZ)
  Leichte Misstöne bei der Umstellung aufs neue Muritram (Okt. 1987, Bund)
  Probelauf Umstellung Muri-Tram (Dez. 1987, Bund)
  RBS mit dichterem Fahrplan und neuen Haltestellenamen (Aug. 1988, BZ)

 

BZ, Samstag, 5. Januar 1985

Muri-Linie: Darlehen des Kantons zur Erhöhung der Attraktivität

aid. Der bernische Regierungsrat hat den Vereinigten Bern-Worb-Bahnen (VBW) zur Beschaffung von Rollmaterial einen rückzahlbaren Kantonsbeitrag von 12,175 Millionen Franken bewilligt. Gestützt auf das Eisenbahngesetz des Bundes und das kantonale Gesetz über die konzessionierten Transportunternehmungen soll mit diesem zinslosen Darlehen die Attraktivität der Muri-Linie erhöht werden. Nach der Sanierung der Kirchenfeldbrücke soll die Muri-Linie weiter ins Stadtzentrum geführt werden.

Der Bund, 6. Oktober 1987

In Rüfenacht will man sich nicht nur auf die blauen Trams freuen: Neben grossen Verbesserungen wird der neue Fahrplan auch kleine Verschlechterungen bringen

Leichte Misstöne bei der Umstellung aufs neue Muritram

Mit Hochdruck wird während der Herbstferien an den Vorbereitungen zur Einführung des Muri-Trams gearbeitet. Für Rüfenacht und Worb ist die Vorfreude allerdings nicht ungetrübt.

Von Bernhard Künzler (Text und Bilder)

Überall, wo es zurzeit auftaucht, erregt es Aufsehen, das neue blaue Tram für die Muri-Linie des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS). Und gerade in den letzten zwei Wochen konnte es öfters zwischen Worb und Rüfenacht beobachtet werden: Bei Instruktionsfahrten für etwa drei Dutzend Wagenführer. Während der Herbstferien werden nämlich die Züge zwischen Worb und Gümligen durch Busse ersetzt. Damit ist es einerseits möglich, dass die Schienen zwischen Rüfenacht und Siloah (deren Schwellen teilweise aus dem Bahneröffnungsjahr 1898 stammen) zügig und ohne viel Nachtlärm vollständig erneuert werden. Andererseits kann die restliche Strecke nach Worb auf die neue Fahrdrahtspannung (600 Volt) für das Tram umgeschaltet werden, damit mit dem ersten Wagen umfangreiche Fahrten für die Programmierung der Elektronik und zur Instruktion unternommen werden können. Denn im «Ernstfall», der Umstellung in der Nacht auf den 29. Dezember, muss alles bereit sein.

Viel Lob erhielt das Fahrzeug bisher von den Wagenführern. Ihnen wird die Arbeit durch die Elektronik stark erleichtert. Details, wie etwa die einstellbare Höchstgeschwindigkeit (eine Neuentwicklung für dieses Fahrzeug), erlauben dem Führer, sein Augenmerk noch mehr dem übrigen Verkehr zu schenken. «Wir hatten noch nie ein so einfaches Fahrzeug zum Fahren», ist der Tenor der Meinungen. Deshalb genügt offenbar die recht kurze Ausbildungsdauer von dreieinhalb Stunden auf dem Fahrzeug (und einem Tag technischer Einführung) zur Umschulung. Wie der Wagen beim Publikum ankommt, wird sich diese Woche weisen: Verschiedene Vorführungsfahrten stehen auf dem Programm (siehe Kästchen).

Kritik aus Rüfenacht

Obwohl das Fahrzeug bisher überall gut «ankommt», steht ein schwacher Schatten über der Angelegenheit: Besonders in Rüfenacht (und teilweise auch in Worb, das allerdings auch durch die orangen Züge bedient wird) stösst der Fahrplan, nach dem die neuen Fahrzeuge ab Ende des nächsten Mai fahren wird, auf Kritik. Der Rüfenachter Parlamentarier René Bauer hat sich zum Sprecher der Unzufriedenen im Worber Grossen Gemeinderat gemacht. Der 10-Minuten-Takt in den Stosszeiten bringe recht grosse Verbesserungen, anerkennt er. Und auch am Morgen, wenn die Züge alle 20 Minuten nach Worb fahren, sehe der Fahrplan gegenüber heute besser aus. Doch derselbe 20-Minuten-Takt am Nachmittag bedeute eine Verschlechterung (gegenüber dem heutigen Viertelstundentakt). Für Muri sieht der Fahrplan viel besser aus: Bis um 20 Uhr verkehrt alle zehn Minuten ein Tram bis Gümligen; am Abend fährt auf der ganzen Strecke nur alle halben Stunden ein Kurs. Schlecht verstehen kann Bauer die Schlechterstellung von Worb vor allem auch deshalb, weil er Kenntnis von einem Fahrplanvorschlag des RBS-Fahrpersonals hat, der ihm viel günstiger erscheint. Der dabei vorgeschlagene Viertelstundenbetrieb am Vormittag und Nachmittag bis nach Worb käme erst noch billiger zu stehen: In diesen Stunden würde ein Tramzug (und damit auch ein Wagenführer) weniger verkehren, was überschlagsmässig berechnet jährliche Einsparungen von 60 000 Franken bringen könnte.

Bloss verkehrsschwache Zeiten

Im Grossen Gemeinderat von Worb bemerkte Gemeinderat Daniel Schmutz (der auch im RBS-Verwaltungsrat sitzt) auf eine Interpellation Bauers, die Verschlechterung sei minim angesichts der grossen Verbesserungen in den Spitzenzeiten. Sie betreffe bloss jene drei Stunden, die von den Passagierfrequenzen her ohnehin schlecht seien.

In der RBS-Direktion wird noch anders argumentiert: Zwei Aspekte gaben nach Auskunft von Vizedirektor Hans-Jakob Stricker den Ausschlag für die «offizielle» RBS-Variante und gegen den Personalvorschlag. Erstens sei die Merkbarkeit des Fahrplans für die Kunden schlechter, wenn es mehrere Taktintervalle gebe («und wir denken vor allem von den Kunden her»). Und zweitens müsse ein Sicherheitsaspekt in Betracht gezogen werden: Bei den verschiedenen Taktintervallen gebe es auch verschiedene Kreuzungsstationen. Dieser öftere Wechsel verwirre jedoch die Wagenführer, was nicht gut sei.

Merkbarkeit auch heute nicht gut

Gerade dieses Argument will aber René Bauer (der beim Schweizerischen Eisenbahnerverband, der Eisenbahnergewerkschaft, arbeitet) nicht gelten lassen: Mit dem vorgesehenen Ausbau der Strecken Egghölzli-Muri und Melchenbühl-Siloah auf Doppelspur spielten die Kreuzungen keine Rolle mehr. Überdies habe man auch im heutigen Fahrplan mit dem Zusatzzug am Morgen Unregelmässigkeiten in Kauf genommen. «Und von Regelmässigkeit im Fahrplan für den Kunden kann auch heute keine Rede sein», meint er zur Merkbarkeit. Ausserdem würden sich die Anschlussverhältnisse an die SBB in Gümligen verschlechtern. Deshalb hat er den Worber Gemeinderat gebeten, nochmals bei der RBS-Direktion vorstellig zu werden, um für Worb und Rüfenacht bessere Verhältnisse zu fordern. In der heutigen Zeit dürften Verbesserungen im öffentlichen Verkehr nicht mit Verschlechterungen erkauft werden, schliesst er.

Hans-Jakob Stricker hat für die Betroffenen in der Gemeinde Worb ein Zückerchen parat: Wenn das neue Rollmaterial vermehrt Leute zum Umsteigen auf den Zug veranlasse und damit die Frequenzen von Worb und Rüfenacht stark stiegen, könne er sich vorstellen, dass später der 10-Minuten-Takt über den ganzen Tag bis nach Worb ausgedehnt werde.

Tram und Restaurant

Am nächsten Samstag haben die Anwohner der Muri-Linie Gelegenheit, ihr neues Tram zu testen. Von 13 bis 17Uhr fährt der erste Wagen alle 20 Minuten zwischen Worb und Rüfenacht für Gratisfahrten. Im Untergeschoss der Tramremise in Worb - die ebenfalls langsam der Vollendung entgegengeht - werden die Ausbaupläne der Linie G des RBS ausgestellt.

Ausserdem wird in Worb an diesem Tag das neue Expressbuffet «Gleis 1» eröffnet. Im ehemaligen Güterschuppen ist ein gefälliges kleines Restaurant entstanden. Es ist das neunte solche Lokal, das die Kiosk AG in der Schweiz betreibt (und soll nach dem Willen der Kiosk AG nicht das letzte bleiben). Obwohl es auf eilige Gäste ausgerichtet ist, lässt sich die Speisekarte sehen: Vom kleinen Snack bis zum Kotelett mit Pommes-frites ist die Auswahl recht gross. Auch Bier und Wein können in der originell gestalteten Gaststätte konsumiert werden.

 

Der Bund, 18. Dezember 1987

Gelingt Umstellung des «blauen Bähnli» auf das Muritram? Zwei Probesonntage verliefen erfolgreich

bkw. Die Spannung bei den RBS-Leuten (und bei den Anwohnern der Muri-Linie) steigt: Nur noch zehn Tage lang fährt das «blaue Bähnli». Wegen der unterschiedlichen Fahrdrahtspannung muss die Umstellung auf einen Schlag erfolgen: Das neue Tram fährt mit 600 Volt (anstelle von 800).

Zwei Probesonntage verliefen bisher erfolgreich, auch am nächsten Sonntag wird nochmals für einen Tag umgestellt. Beim Publikum sind die neuen, von der Schindler Waggon (Pratteln) hergestellten Fahrzeuge - auf dem Bild fährt eines vor der kürzlich fertiggestellten Tramremise in Worb durch - auf Anklang gestossen. Allerdings gibt es noch einige Unsicherheiten, wie RBS-Sprecher Christian Etzweiler bestätigte. Alle nötigen sieben (der neun) Fahrzeuge sind zwar bereits in Worb eingetroffen, doch hat die Herstellerfirma noch nicht bei allen die Elektronik reguliert.

Wenn jedoch bei «Vollbetrieb» nach dem geplanten Umstellungstermin in der Nacht vom 28. auf den 29. Dezember etwas nicht klappen werde, könne notfalls nochmals auf die alte Betriebsweise ausgewichen werden», beruhigt Etzweiler. (Bild: bkw)

BZ, 13. August 1988

«BLAUES BÄHNLI»

RBS mit dichterem Fahrplan und neuen Haltestellennamen

Im Kampf um Pendleranteile ihres «Blauen Bähnli» intensiviert der Regionalverkehr Bern-Solothurn (RBS) seine Bemühungen: Ab Montag verkehrt alle 10 Minuten ein Tram nach Gümligen.

uhs. Offenbar sei die Linie G («Gümligen») von Bern-Kirchenfeld nach Worb dem Pendler nicht attraktiv genug gewesen, erklärt RBS Pressechef Christian Edsweiler das jahrelange Krebsen der blauen Murilinie. Dies solle sich nun ändern. Bereits im letzten Jahr wurden, um dem Bedürfnis nach Komfort nachzukommen, neun neue Gelenktramwagen in Betrieb genommen.

Als zweiten Schritt zur Attraktivierung betrachtet RBS-Direktor Peter Scheidegger die ab Montag geltende Fahrplanverdichtung. So werden neu zwischen 6:30 Uhr und 19 Uhr im Zehnminutentakt Züge den Helvetiaplatz verlassen. In Spitzenzeiten fährt jedes dieser Trams bis Worb, sonst wenigstens jedes zweite.

Bisher fuhren zu Spitzenzeiten Trams alle 15 und zu Normalzeiten alle 30 Minuten ab. Der neue Zehnminutentakt wird visualisiert mit in Lettern angebrachten Minutenabfahrtszeiten an den Haltestellen. Nicht ändern wird sich allerdings die Gesamtfahrtzeit von 24 Minuten zwischen Kirchenfeld und Worb, obwohl mit den neuen Trams grössere Geschwindigkeiten möglich wären. «Leider haben wir gegenwärtig noch feste Kreuzungsstellen. Fahrzeitenverkürzungen werden erst mit einem Doppelspurausbau möglich», bedauert RBS-Betriebschef Heinz Sütterlin.

Geändert wurden dagegen zwei Stationsnamen: Die Endstation «Kirchenfeld» heisst ab sofort «Helvetiaplatz», die Haltestelle «Burgernziel» wurde in «Brunnadernstrasse» umbenannt. In beiden Fällen handelt es sich um eine Namensangleichung an die bestehenden SVB-Haltestellen. Peter Scheidegger verspricht sich von den Massnahmen die Entwicklung der Linie G an jene der übrigen Vorortsbahnen anzuschliessen. Vorbildlich ist hier die Worblentallinie mit einem Pendleranteil von über 50 Prozent im Gebiet Jegenstorf-Zollikofen. Konkret rechnet Scheidegger mit einer 10prozentigen Zunahme der Frequenz. Er gab aber zu, dass die Worbbahn erst mit der geplanten Direktfahrt zum Hauptbahnhof wesentlich attraktiver wird.

Die Station ist neunzig Jahre alt

rhb. Die jetzt umbenannte RBS-Station Kirchenfeld ist der letzte von ehemals fünf bedienten Bahnhöfen von schmalspurigen Vorortsbahnen auf Stadtgebiet. Zu Beginn der siebziger Jahre wurden die Stationen Burgernziel, Felsenau und Tiefenau aufgegeben oder in unbediente, automatisierte Haltestellen umgewandelt, und 1965 wurde der Kopfbahnhof der SZB in die Anlagen des SBB-Hauptbahnhofs integriert.

Die Geschichte der Station Kirchenfeld reicht bis ins vorige Jahrhundert zurück. Vor neunzig Jahren - genau am 21. Oktober 1898 - dampfte der erste Zug der Bern-Muri-Gümligen-Worb-Bahn (BMGWB) die Thunstrasse hinauf, und aus demselben Jahr stammt das schuppenähnliche, heute recht romantisch wirkende Aufnahmegebäude am Helvetiaplatz. Damals war das Kirchenfeld-Tram noch nicht in Betrieb, und es gab keine Verbindung zu den bestehenden Strassenbahnen.

Vom Sommer 1901 an hatte die Muribahn dann ihre ersten paar hundert Meter mit der Städtischen Strassenbahn zu teilen, weshalb der nunmehr gemeinsam befahrene Abschnitt nach dem Burgernziel schon früh auf Doppelspur ausgebaut wurde. Dies bedeutete, dass ein Gleis dem Tram gehörte, das andere dagegen weiterhin der Vorortsbahn, bis 1973 die mittlerweile bis zum Egghölzli reichenden Gemeinschaftsstrecken vollumfänglich in den Besitz der Städtischen Verkehrsbetriebe (SVB) gingen.