Presseschau
RBS - Mix: H.U.Steiner
In Muri wurde über geplanten Doppelspurausbau der RBS-Linie G und die Einsprachen gegen die aufgelegten Pläne orientiertAusbaupläne für Muri-Tram: Wenig Kritikahr. Der Doppelspurausbau der Linie G des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS) ist auf guten Wegen. In wenigen Wochen werden die Pläne für den Abschnitt Melchenbühl-Gümligen öffentlich aufgelegt.Für RBS-Direktor Peter Scheidegger ist der geplante Doppelspurausbau auf der Linie Bern Kirchenfeld-Worb eine einfache Sache, wenn er mit den Problemen vergleicht, welche in Zollikofen, Urtenen oder Moosseedorf zu lösen sind. Trotzdem nehme der RBS die Einsprachen aus Muri ernst, welche auf das Bahnauflagegesuch eingegangen seien, betonte Scheidegger an der gestrigen Pressekonferenz im Gemeindehaus von Muri. Wie der «Bund» bereits berichtet hat, sind gegen die geplante Doppelspur insgesamt fünf Einsprachen eingegangen. Grundsätzliche Bedenken haben die Bernische Gesellschaft zur Pflege des Stadt- und Landschaftsbildes und das Forum Muri geäussert, während die übrigen drei Einsprachen von privaten Anstössern stammen und konkrete Detailfragen betreffen, wie vom RBS erläutert wurde. Die Tatsache, dass nur wenige Einwände gegen die RBS-Pläne gemacht wurden, wertet Peter Scheidegger als positiv, insbesondere weil das Projekt in Muri «nicht nur ein Eisenbahnbauwerk ist, sondern alle Verkehrsträger, insbesondere Fussgänger und Velofahrer, miteinbezieht». Zur Kritik an der vorgesehenen Seitenlage mit Schotterbett erklärte Scheidegger, dass beispielsweise in Basel und Zürich viele neue Tramstrecken auf einem Eigentrassee und in einem Schotterbett geführt würden; dadurch könnten unter anderem die Lärmimmissionen wesentlich verringert werden. Ingenieur Jean-Pierre Weber erklärte, die Mini-Mittellage komme aus Sicherheitsgründen nicht in Frage. Zu den kürzlich publik gewordenen Vorwürfen der Muriger Schlosseigentümer, der RBS betreibe «Desinformation» («Bund» Nr. 65 vom 18. März 1989), wurde betont, dass der technische Bericht integrierender Bestandteil der Planauflage sei, und dass darin die verschiedenen Tore beim Schloss Muri durchaus berücksichtigt seien. Der Muriger Gemeindepräsident (und RBS-Verwaltungsrat) Hans-Rudolf Flückiger wies darauf hin, dass über den geplanten Fuss- und Radweg entlang der Schlossmauer die Autos der Anstösser sowie Kehricht- oder Zügelwagen auch weiterhin verkehren könnten, ähnlich wie heute schon auf dem Seidenberggässli. Nötig seien allerdings geringe bauliche Anpassungen. Wie geht es weiter?Die Einsprachen gehen jetzt ans kantonale Amt für Verkehr und anschliessend ans Bundesamt für Verkehr. Dieses wird die Einspracheverhandlungen führen und danach die Ausbaupläne grundsätzlich bewilligen müssen, bevor das eigentliche Baubewilligungsverfahren durchgeführt wird. Die Bahngesellschaft ihrerseits klärt in nächster Zeit Fragen der Finanzierung und der Subventionierung ab. Beim Schloss Muri und in der Nähe der Krone Muri müssen noch einige Quadratmeter Land erworben werden. Bereits in wenigen Wochen sollen zudem die Pläne für die Teilstrecke Melchenbühl-Gümligen-Siloah öffentlich aufgelegt werden. Dieser Streckenteil ist nach Auffassung der RBS-Verantwortlichen einfacher zu realisieren, weil es sich dabei um ein reines Bahnprojekt handelt. Zudem sei in diesem Bereich das notwendige Land bereits gesichert. An der gestrigen Medienorientierung wurde einmal mehr betont, wie wichtig es sei, dass die Linie G bis ins Stadtzentrum geführt werde. «Wir versprechen uns davon eine erhebliche Zunahme der Frequenzen auf der Linie G und eine Abnahme des privaten Strassenverkehrs», versicherte Peter Scheidegger. Er verwies auf Frequenzzählungen, welche im Dezember 1988 auf der Linie G durchgeführt und mit den Fahrgastzahlen von Dezember 1987 (vor der Einführung des neuen Rollmaterials) verglichen worden waren. Zwischen Worb und Rüfenacht wurden 25 Prozent mehr Passagiere gezählt, zwischen Rüfenacht und Gümligen 15 Prozent mehr und zwischen Gümligen und Muri und Muri und Bern je acht Prozent mehr. Drei GemeindenDas letzte Wort zum Bahnausbau werden im übrigen die Stimmberechtigten von Muri und Worb und das Berner Stadtparlament (oder die Stimmbürger, je nach Höhe des zu bewilligenden Kredits) haben: Sie müssen über die finanzielle Beteiligung am Bahnausbau beschliessen. Mit diesem Kreditbeschluss ist in Bern ebenfalls der Grundsatzentscheid für die Weiterführung der Linie G ins Stadtzentrum verbunden. «Wenn eine Gemeinde nein sagt, fällt wohl der ganze Doppelspurausbau ins Wasser», glaubt Peter Scheidegger, und Hans-Rudolf Flückiger sieht gar bei einer Ablehnung des Projektes «für Generationen eine Gelegenheit für eine langfristige Lösung verpasst».
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Der Berner Stadtrat stimmte für die Einführung der RBS-Linie G (Murilinie) ins Stadtzentrum - Jetzt ist das Referendum lanciertKommt es zum Volksentscheid über Muritram?dv. Der Verlängerung des Muri-Trams hat der Berner Stadtrat nach langer Debatte mit geringem Mehr zugestimmt. Und nun ist das ohnehin umstrittene Projekt erneut in Frage gestellt: Gestern lancierte ein überparteiliches Komitee, angeführt durch «Heft Sorg zu Bärn», das Referendum.Was der Stadtrat mit Stichentscheid des Ratspräsidenten Hans-Rudolf Thomet (fdp) am Donnerstag abend zu später Stunde verhindern wollte, fordert nun ein überparteiliches Komitee mittels Referendum: einen Volksentscheid über die Verlängerung der RBS-Linie G ins Berner Stadtzentrum. 25 ausschliesslich bürgerliche Parlamentarierfinnen) aus Stadt und Kanton, angeführt durch die Vereinigung «Heft Sorg zu Bärn», wollen den Stadtratsentscheid dem Souverän unterbreiten. Die Sache sieht nach gründlicher Vorbereitung aus: Bereits seien über 1000 Adressaten angeschrieben worden, sagte gestern Stadtrat Peter Bühler (fdp), Co-Präsident des Komitees und Vorstandsmitglied von «Heit Sorg zu Bärn». Für das Referendum braucht es mindestens 1500 Unterschriften, die innert drei Wochen gesammelt werden müssen. Enge HauptgassenBühler hatte sich während der Ratsdebatte vehement gegen die Verlängerung des Muri-Trams ins Stadtzentrum ausgesprochen: Die Weiterführung der «Pralinélinie» sei eine «Zwängerei». Von einer Vernetzung der öffentlichen Verkehrsmittel ganz zu schweigen: «Es ist schon alles verknüpft. Ein Knüppel par excellence!» Nicht allein bürgerlichen Kreisen verursacht die geplante Tramführung durch die dicht befahrene Spital- und Marktgasse Bauchweh (vgl. auch «Bund» von gestern). Bekämpft wurde die Vorlage vor allem aus diesem Grund auch durch die Grüne Fraktion, die für Rückweisung plädierte und eine neue Linienführung ausserhalb von Spital- und Marktgasse forderte: Der Weg müsse geebnet werden für eine zukunftsgerichtete Lösung, sagte André Seydoux (gb); die kurzfristige Weiterführung entschärfe die Umweltprobleme in keiner Weise, belaste hingegen die Innenstadt. Rückendeckung erhielt Seydoux durch Fraktionskollege Luzius Theiler (gp): «Wir setzen in der Verkehrspolitik andere Prioritäten.» An erste Stelle setzt die Grüne Partei die Umgestaltung des Bahnhofplatzes und eine fussgängerfreundliche Innenstadt. Mit oder ohne Muri-Tram seien die Hauptgassen «jetzt schon untragbar und objektiv gefährlich». Dass es heute nicht häufiger zu Unfällen komme, sei der Geschicklichkeit der Wagenführer zuzuschreiben. Den heutigen Bahnhofplatz bezeichnete Theiler als «grösste Fehlplanung der Bahnhoftechnokraten». Mit der Verwirklichung des Masterplanes müsste die Linienführung im Zentrum ohnehin verbessert werden. «Wir wollen keine kurzfristige ökotechnokratische Lösung», sagte Theiler. Der Rückweisungsantrag der Grünen fand im Stadtrat jedoch keine Unterstützung. Unheilige AllianzWerden sich Bürgerliche und Grüne zu einer unheiligen Allianz gegen das Verlängerungsprojekt zusammenschliessen? FDP-Stadtrat Peter Bühler kann zwar den Argumenten der Grünen beipflichten, möchte aber im Referendumskomitee nicht mit ihnen zusammenspannen, wie er auf Anfrage erklärte. Weniger Berührungsängste sind bei den Grünen zu spüren: André Seydoux hätte persönlich keine Bedenken, mit dem bürgerlichen Komitee am gleichen Strick zu ziehen: «Wir sind selten genug dergleichen Meinung.» Entweder werde man das bürgerliche Referendum unterstützen - unter Vorbehalt der Parteiversammlung - oder man lanciere ein eigenes Referendum gegen den Entscheid. FDP und SVP gespaltenWährend Mitglieder von FDP und SVP im Referendumskomitee sitzen und auch im Stadtrat gegen das Projekt stimmten, gibt es in diesem politischen Lager auch Befürworter (vgl. Kasten). Jost Koch und Erwin Franz (beide fdp) zum Beispiel unterstützten die Verlängerung «vorbehaltlos». Zu den klaren Befürwortern zählt auch Mathias Tromp (svp): Die Umsteigesituation am Helvetiaplatz sei nicht attraktiv, argumentierte er. Es gebe keine andere spruchreife Alternative als die Verlängerung. Tromp befürwortet ein pragmatisches Vorgehen. Erfolg hatte der SVP-Stadtrat mit seinem Abänderungsantrag: Die Zahl der über den Helvetiaplatz hinaus ins Zentrum zu führenden Züge müsse auf höchstens sechs pro Stunde und Fahrtrichtung beschränkt werden. Tromps Vorschlag wurde mit deutlichem Mehr gutgeheissen. Einhellige Unterstützung fand die Vorlage in der SP-Fraktion. Für den TGV von Paris nach Bern sei auch nicht Bümpliz Endstation, sagte René Zimmermann. Im S-Bahn-Konzept der Stadt Bern wäre die Umsteigesituation am Helvetiaplatz ein Fremdkörper. Die Verkehrsbelastung in der Markt- und Spitalgasse sei aus heutiger Sicht vor allem auf den Privatverkehr und die bauliche Aktivität zurückzuführen. Und Heinz Junker (sp), Sprecher der Kommission zur Behandlung von Verkehrsvorlagen, lobte die regionale Vorlage, die der «lästigen Umsteigerei am Helvetiaplatz» ein Ende bereite. «Attraktive Verbesserung»Nicht nur hoffen, sondern realisieren: Das Motto haben die bürgerlichen Koalitionsparteien am kürzlich durchgeführten Rösti-Treffen auf ihre Fahne geschrieben; unter dieses Motto stellte Gemeinderat Alfred Neukomm, Direktor der Stadtbetriebe, die Einführung der Muri-Linie ins Stadtzentrum. Das Projekt sei «keine Zwängerei» (Kritik von Peter Bühler), sondern entspreche einem durch das Parlament im Jahre 1986 überwiesenen Auftrag. «Wir müssen uns Gedanken machen», sagte Neukomm, «wie konsequent unsere Politik eigentlich ist». Man habe jetzt lange genug geredet, jetzt müsse gehandelt werden. Alles sei bereit für die Einführung: die neuen Fahrzeuge, die Schienen, die Wendeschlaufe, die Kirchenfeldbrücke, die ohnehin hätte saniert werden müssen, und die elektrischen Bedingungen «Für so wenig Geld», sagte Neukomm, «hat die Stadt Bern noch nie öffentliche Verkehrsmittel erhalten». In der 800jährigen Geschichte Berns sei dieses Projekt das günstigste. Die Weiterführung zementiere nicht den heutigen Betrieb: Im Zusammenhang mit Masterplan, Netzoptimierungsstudie und der neuen SVB-Strategie würden auch alternative Linienführungen geprüft. Dem Referendum sieht Neukomm getrost entgegen: «Die Bürger und Bürgerinnen werden sehen, dass dies eine ausserordentlich attraktive Vorlage ist.» Tram nach Bümpliz?Der Stadtrat überwies einen Vorstoss von Heinz Junker (sp) als Postulat, der eine Studie für die Erschliessung von Bümpliz-Bethlehem mit «Bus-Tram 2000» fordert.
Referendum gegen Muri-TramFolgerichtigGetrost mag man sich auf den Standpunkt stellen, die grossen und mitunter recht emotionsgeladenen Diskussionen um eine Verlängerung des Muri-Trams bis zum Berner Bahnhof seien geradezu lächerlich - nicht zuletzt angesichts der drängenden internationalen Probleme auf politischem, ökonomischem und ökologischem Gebiet. Und überhaupt: Was soll das mühevolle Ringen um ein paar hundert Meter Tramfahrt mehr, die (zumindest in der Stadt Bern) keine zusätzlichen Gleisbauten erfordern und deren Umsteigeeffekt (reichlich optimistischen Prognosen zum Trotz) sich erst noch erweisen müsste? Wer so denkt, vernachlässigt die Bedeutung der umstrittenen Vorlage für die künftige Regelung des öffentlichen Verkehrs in und um Bern. Der Streit um die Weiterführung der RBS-Linie G weist nämlich in beispielhafter Manier auf die Grenzen und Möglichkeiten hin, welche einer im Grundsatz richtigerweise kaum noch bestrittenen Förderung des öffentlichen Verkehrs in der Bundesstadt gegeben sind. Ohne tiefergehendes Überdenken des bestehenden Liniennetzes, dies sei nicht zuletzt auch der mitverantwortlichen Stadtbetriebe-Direktion ins Buch geschrieben, geht bzw. fährt in der Stadt Bern bald gar nichts mehr. Am von privatem und öffentlichem Verkehr gleichermassen strapazierten Nadelöhr Zytglogge-Hauptbahnhof kommt auch der glühendste Verfechter eines konsequenten Umsteigens vom Auto auf Tram und Bus nicht länger vorbei. Zu erörtern ist ebenso, ob sich die Erschliessung der Wohngebiete im Osten und im Westen der Stadt nicht doch klüger gestalten liesse. Jetzt ist ein Strauss guter Ideen und neuer Linienführungen gefragt - sowie die aufrichtige Bereitschaft, dem öffentlichen Verkehr über alle Parteigrenzen und Gewinnabsichten hinweg bevorzugte Behandlung einzuräumen. Bei aller Distanz zu den Urhebern des jetzt lancierten Referendums: Dass sich nun wohl auch noch die Stadtberner Stimmberechtigten zur von Kanton und den betroffenen Gemeinden nicht durchwegs begeistert getragenen Vorlage äussern werden, ist folgerichtig und geht in Ordnung. Denn erstens sind sie es, welche die Folgen einer Muri-Tram-Verlängerung täglich am meisten zu spüren bekämen. Und zweitens hätte ein zustande gekommenes Referendum die angenehme Begleiterscheinung, das nach viel Verzögerung auf einmal reichlich rasch auf die Reise durch die Instanzen geschickte Projekt da und dort noch etwas verbessern zu können. Lars Knuchel |