Presseschau
RBS - Mix: H.U.Steiner
HÜSISTUTZ m MURI«Das Bahntrassee ist viel sicherer»Der Muriger Gemeinderat glaubt zusammen mit RBS-Direktor Peter Scheidegger daran, dass das vorliegende Projekt für den Hüsistutz das richtige sei. Die Sicherheit verlange das separate Bahntrassee.Christine Nydegger Die Ausgangspositionen sind bezogen: Nun nehmen auch der Muriger Gemeinderat, der RBS-Direktor und Kreisoberingenieur Fritz Kobi Stellung. Das Thema ist der Hüsistutz. Der Verkehr soll diesen kleinen Anstieg im Zentrum von Muri in separaten Spuren nehmen: Der Schlossmauer entlang die Fussgänger, dann die Velofahrerinnen, danach auf einem Grünstreifen das Blaue Bähnli und zu guter Letzt die motorisierten Fahrzeuge. Das ergibt zusammen einen Raum von fast 20 Metern Breite. Gemeinde, RBS und Kanton wollen diese Lösung. Ein Gegenkomitee, iniziiert von Peter Staub, Planer und Architekt im Ruhestand, bekämpft dieses Projekt und will eine Tramlösung ohne separates Bahntrassee (es stand in dieser Zeitung). Ortsbild und Sicherheit?Für Staub zerschneidet eine solch breite Strasse das Dorf in zwei Teile. Er und seine Komiteemitglieder führen vor allem den Ortsbildschutz an: Es stünden im Zentrum von Muri mehrere alte schöne Gebäude, die es zu schützen gelte, erklärt Peter Staub. «Auch wir wollen das Ortsbild nicht verschandeln», antwortet die Muriger Gemeinderätin Ursula Gutmann (SVP). Darum sei das Projekt überarbeitet worden. Resultat dieser Arbeit ist der Grünstreifen, auf dem das Blaue Bähnli künftig fahren soll und die um einen Meter versetzte alte Mauer zwischen Strasse und Bahn. «Dadurch kann der Raum optisch wieder verengt werden», erklärt die Gemeinderätin. Für den RBS-Direktor Peter Scheidegger ist das getrennte Trassee für sein Bähnli zwingend. «Es geht um die Sicherheit. Überall dort, wo sie eingerichtet werden kann, müssen wir dies tun», erklärt er. Unfälle ereigneten sich meist nicht auf den stark befahrenen Strassen. «Denn dort wissen alle, dass sie aufpassen müssen.» Laut Scheidegger passieren auf den weniger befahrenen und darum als ungefährlich erachteten Strassen weit mehr Unfälle. «Und gerade die Thorackerstrasse ist so eine Strasse.» Und, so Scheidegger, das Ganze sei auch eine Zeitfrage. «Diese Planung dauert jetzt 15 Jahre. Und wir wollen endlich bauen.» Mit dem Projekt hat sich in der Vergangenheit das Bundesgericht befasst, weil die Schlossbesitzerfamilie Stankiewicz-von Ernst sich gegen den Strassenausbau wehrte. «Sieben Jahre hat uns das gekostet», schimpft Scheidegger. Bewilligt vom Grossen RatIn dieser langen Zeit hat das vorliegende Projekt bereits einen Teil des Instanzenweges zurückgelegt. So hat der Grosse Rat die Sache genehmigt und den Kostenanteil von 4,76 Millionen Franken an das insgesamt 10,7 Millionen Franken teure Projekt bewilligt. In Muri wird am kommenden 10. Juni abgestimmt. Rund 5 Millionen Franken wird die Sache für die Gemeinde kosten. Wenn Muri Nein sagt zum vorliegenden Projekt, so müsste der RBS trotzdem handeln. «Ich will wirklich nicht den Anschein machen, als ob ich bei einem negativen Ausgang <trötzelen> würde», erklärt Scheidegger. Doch das Gleis sei in einem so schlechten Zustand, dass es sofort ersetzt werden müsste. Bis wieder ein neues Projekt auf dem Tisch liegen würde, könnten nach Ansicht von Peter Scheidegger und Ursula Gutmann gut und gerne 4 bis 5 Jahre vergehen. Information: Am Montag, 21. Mai, um 20 Uhr führt das Forum im «Sternen» ein Podiumsgespräch durch. Informationen bietet der Gemeinderat am 30. Mai im Gemeindehaus und am 31. Mai im Mattenhofsaal, je zwischen 17 und 19 Uhr. Dort können Fragen gestellt werden.
Kobi: «Für Muri ists richtig»Kreisoberingenieur Fritz Kobi steht hinter dem Muriger Projekt. Dies, obwohl er sonst die sanften Lösungen liebt.Interview: Christine Nydegger Sie sind mit sanften Lösungen und Mehrzweckfahrspuren über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt geworden. Warum befürworten Sie die breite Schneise durch Muri? Fritz Kobi: Jede Situation muss anders angeschaut werden. Jedes Projekt hat auch seine eigene Geschichte. Man kann nicht einfach sagen, jetzt gilt Wabern und Zollikofen überall. Mehrzweckspuren machen nicht Sinn, wenn keine Velofahrer oder Fussgänger die Strasse queren müssen. Rechtfertigt in Muri die Geschichte einen 20 Meter breiten Strassenraum? Nein, nicht die Geschichte im Allgemeinen. Sondern der Prozess, den dieses Projekt bis heute durchlaufen hat. Dann hätte das Gegenkomitee einfach früher reagieren müssen? Ja, denn auch dieses Projekt hat einmal Mitwirkungen erlebt. Sie haben 1987 noch nicht so geheissen, aber die Leute in Muri konnten auch damals ihre Meinung anbringen, das ist sicher. Hätte das Komitee damals Chancen gehabt, mit seiner Ansicht durchzukommen? Das kann ich so nicht sagen. Sicher bin ich aber, dass auch damals schon alle Aspekte angeschaut wurden. Doch offenbar waren die Leute des Komitees nicht aktiv. Sehen sie, es ist nicht sicher, dass das Projekt Hüsistutz mit einer neueren Planung anders oder gar besser herauskommen würde. Es gibt auf der Thorackerstrasse für mich nachvollziehbare Gründe für das Eigentrassee des blauen Bähnlis. Was genau unterscheidet die Durchfahrten von Wabern und Zollikofen vom Hüsistutz in Muri? Der grösste Unterschied ist, dass am Hüsistutz keine Querverbindungen hergestellt werden müssen. Es hat nicht wie in Wabern und Zollikofen links und rechts Läden und dichte Wohngebiete. Die meisten Anwohner leben auf der Seite, auf der die Strasse durchgeführt wird. Also für Autofahrerinnen und -fahrer wird gar kein Problem entstehen. Die Fussgänger und Velofahrer, die queren müssen, können das gut oben oder unten tun. Von den Einmündungen her spielt das praktisch keine Rolle. Das Bähnli hat im Bereich Hüsistutz nur die Funktion des Durchfahrens. Es gibt dort keine Haltestellen, das ist zu Wabern ein grosser Unterschied. Aber der Eingriff ist stark Reichen da der Grünstreifen fürs Bähnli und die alte Mauer als optische Verengung? Ja, das stimmt, der Eingriff ist gross. Aber die beiden Massnahmen bringen etwas. Das glaube ich schon. |
GEMEINDEABSTIMMUNG IN MURIEndlich wird am Hüsistutz gebautKlares ja zum Umbauprojekt Hüsistutz: Fast zwei Drittel des Muriger Stimmvolks wollen, dass Bahn- und Individualverkehr künftig auf verschiedenen Spuren rollen. Nun können die Bauarbeiten beginnen.Bernhard Kislig Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Muris wollen nicht nochmals jahrelang warten, bis für den Hüsistutz ein neues Umbauprojekt vorliegt: 3058 befürworten die Vorlage des Gemeinderats, 1881 sind dagegen. Der Ja-Stimmen-Anteil beträgt somit 62 Prozent. Die Stimmbeteiligung liegt bei 55 Prozent. Das Ja zum Projekt Umgestaltung Thunstrasse und Thorackerstrasse bedeutet, dass das Tram künftig auf einem separaten Trassee - getrennt vom Individualverkehr - fahren wird. Es bedeutet aber auch, dass die Bauarbeiten bald beginnen können. Freude im Gemeinderat«Ich bin froh, dass das Resultat so deutlich ausgefallen ist», sagt SVP-Gemeinderätin Ursula Gutmann. Nach ihrer Ansicht haben vor allem folgende drei Gründe den Ausschlag gegeben für das deutliche Ja des Stimmvolks: erstens habe der Gemeinderat gut informiert, zweitens biete das jetzige Projekt mehr Sicherheit für die Verkehrsteilnehmer, und drittens wolle die Bevölkerung, dass es jetzt endlich vorwärts gehe. Enttäuschung beim Forum«Natürlich bin ich enttäuscht», kommentiert Gemeindeparlamentarierin Regula Natsch (Forum) das Abstimmungsresultat. Die Befürworter hätten vor allem mit Verkehrssicherheit für ihre Vorlage geworben. «Das bringt natürlich viele Stimmen.» Es sei fälschlicherweise auch der Eindruck entstanden, dass ein Alternativprojekt weniger sicher sei. Zudem stellt sie klar: « Es ging an diesem Abstimmungswochenende nicht um zwei verschiedene Vorhaben, sondern nur um ein Ja oder ein Nein zur Vorlage des Gemeinderats.» Das Alternativprojekt hätte noch im Detail ausgearbeitet werden müssen. Eine Interessengemeinschaft, welche sich für eine Alternative engagierte, kritisierte vor allem die Breite der Strasse. Statt 19,6 wollten sie nur 16,9 Meter. Baubewilligung für MauerDoch der Entscheid ist gefallen. Widerstand gegen das Vorhaben ist höchstens noch im baurechtlichen Verfahren zu erwarten: Die Bewilligung für den Bau der Mauer, welche Trams und Individualverkehr voneinander trennt, ist nämlich noch nicht erteilt. «Wir werden die Umsetzung des Projekts beobachten und uns - falls nötig - wieder bemerkbar machen», stellt Regina Natsch im Namen der Muriger Lokalpartei Forum auf Anfrage klar. Das gesamte Bauvorhaben soll 10,7 Millionen Franken kosten. Davon bezahlt die Gemeinde Muri 5,8 Millionen Franken. Die Arbeiten sollen in den kommenden Jahren abgeschlossen werden und sind im Investitionsplan bis ins Jahr 2004 enthalten. Gemeinderätin Ursula Gutmann betont, dass schon während der Bauarbeiten alles daran gesetzt werde, den Schulweg gut zu sichern.
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