Presseschau
RBS - Mix: H.U.Steiner
Muri-Linie: Darlehen des Kantons zur Erhöhung der Attraktivitätaid. Der bernische Regierungsrat hat den Vereinigten Bern-Worb-Bahnen (VBW) zur Beschaffung von Rollmaterial einen rückzahlbaren Kantonsbeitrag von 12,175 Millionen Franken bewilligt. Gestützt auf das Eisenbahngesetz des Bundes und das kantonale Gesetz über die konzessionierten Transportunternehmungen soll mit diesem zinslosen Darlehen die Attraktivität der Muri-Linie erhöht werden. Nach der Sanierung der Kirchenfeldbrücke soll die Muri-Linie weiter ins Stadtzentrum geführt werden. |
In Rüfenacht will man sich nicht nur auf die blauen Trams freuen: Neben grossen Verbesserungen wird der neue Fahrplan auch kleine Verschlechterungen bringenLeichte Misstöne bei der Umstellung aufs neue MuritramMit Hochdruck wird während der Herbstferien an den Vorbereitungen zur Einführung des Muri-Trams gearbeitet. Für Rüfenacht und Worb ist die Vorfreude allerdings nicht ungetrübt.Von Bernhard Künzler (Text und Bilder) Überall, wo es zurzeit auftaucht, erregt es Aufsehen, das neue blaue Tram für die Muri-Linie des Regionalverkehrs Bern-Solothurn (RBS). Und gerade in den letzten zwei Wochen konnte es öfters zwischen Worb und Rüfenacht beobachtet werden: Bei Instruktionsfahrten für etwa drei Dutzend Wagenführer. Während der Herbstferien werden nämlich die Züge zwischen Worb und Gümligen durch Busse ersetzt. Damit ist es einerseits möglich, dass die Schienen zwischen Rüfenacht und Siloah (deren Schwellen teilweise aus dem Bahneröffnungsjahr 1898 stammen) zügig und ohne viel Nachtlärm vollständig erneuert werden. Andererseits kann die restliche Strecke nach Worb auf die neue Fahrdrahtspannung (600 Volt) für das Tram umgeschaltet werden, damit mit dem ersten Wagen umfangreiche Fahrten für die Programmierung der Elektronik und zur Instruktion unternommen werden können. Denn im «Ernstfall», der Umstellung in der Nacht auf den 29. Dezember, muss alles bereit sein. Viel Lob erhielt das Fahrzeug bisher von den Wagenführern. Ihnen wird die Arbeit durch die Elektronik stark erleichtert. Details, wie etwa die einstellbare Höchstgeschwindigkeit (eine Neuentwicklung für dieses Fahrzeug), erlauben dem Führer, sein Augenmerk noch mehr dem übrigen Verkehr zu schenken. «Wir hatten noch nie ein so einfaches Fahrzeug zum Fahren», ist der Tenor der Meinungen. Deshalb genügt offenbar die recht kurze Ausbildungsdauer von dreieinhalb Stunden auf dem Fahrzeug (und einem Tag technischer Einführung) zur Umschulung. Wie der Wagen beim Publikum ankommt, wird sich diese Woche weisen: Verschiedene Vorführungsfahrten stehen auf dem Programm (siehe Kästchen). Kritik aus RüfenachtObwohl das Fahrzeug bisher überall gut «ankommt», steht ein schwacher Schatten über der Angelegenheit: Besonders in Rüfenacht (und teilweise auch in Worb, das allerdings auch durch die orangen Züge bedient wird) stösst der Fahrplan, nach dem die neuen Fahrzeuge ab Ende des nächsten Mai fahren wird, auf Kritik. Der Rüfenachter Parlamentarier René Bauer hat sich zum Sprecher der Unzufriedenen im Worber Grossen Gemeinderat gemacht. Der 10-Minuten-Takt in den Stosszeiten bringe recht grosse Verbesserungen, anerkennt er. Und auch am Morgen, wenn die Züge alle 20 Minuten nach Worb fahren, sehe der Fahrplan gegenüber heute besser aus. Doch derselbe 20-Minuten-Takt am Nachmittag bedeute eine Verschlechterung (gegenüber dem heutigen Viertelstundentakt). Für Muri sieht der Fahrplan viel besser aus: Bis um 20 Uhr verkehrt alle zehn Minuten ein Tram bis Gümligen; am Abend fährt auf der ganzen Strecke nur alle halben Stunden ein Kurs. Schlecht verstehen kann Bauer die Schlechterstellung von Worb vor allem auch deshalb, weil er Kenntnis von einem Fahrplanvorschlag des RBS-Fahrpersonals hat, der ihm viel günstiger erscheint. Der dabei vorgeschlagene Viertelstundenbetrieb am Vormittag und Nachmittag bis nach Worb käme erst noch billiger zu stehen: In diesen Stunden würde ein Tramzug (und damit auch ein Wagenführer) weniger verkehren, was überschlagsmässig berechnet jährliche Einsparungen von 60 000 Franken bringen könnte. Bloss verkehrsschwache ZeitenIm Grossen Gemeinderat von Worb bemerkte Gemeinderat Daniel Schmutz (der auch im RBS-Verwaltungsrat sitzt) auf eine Interpellation Bauers, die Verschlechterung sei minim angesichts der grossen Verbesserungen in den Spitzenzeiten. Sie betreffe bloss jene drei Stunden, die von den Passagierfrequenzen her ohnehin schlecht seien. In der RBS-Direktion wird noch anders argumentiert: Zwei Aspekte gaben nach Auskunft von Vizedirektor Hans-Jakob Stricker den Ausschlag für die «offizielle» RBS-Variante und gegen den Personalvorschlag. Erstens sei die Merkbarkeit des Fahrplans für die Kunden schlechter, wenn es mehrere Taktintervalle gebe («und wir denken vor allem von den Kunden her»). Und zweitens müsse ein Sicherheitsaspekt in Betracht gezogen werden: Bei den verschiedenen Taktintervallen gebe es auch verschiedene Kreuzungsstationen. Dieser öftere Wechsel verwirre jedoch die Wagenführer, was nicht gut sei. Merkbarkeit auch heute nicht gutGerade dieses Argument will aber René Bauer (der beim Schweizerischen Eisenbahnerverband, der Eisenbahnergewerkschaft, arbeitet) nicht gelten lassen: Mit dem vorgesehenen Ausbau der Strecken Egghölzli-Muri und Melchenbühl-Siloah auf Doppelspur spielten die Kreuzungen keine Rolle mehr. Überdies habe man auch im heutigen Fahrplan mit dem Zusatzzug am Morgen Unregelmässigkeiten in Kauf genommen. «Und von Regelmässigkeit im Fahrplan für den Kunden kann auch heute keine Rede sein», meint er zur Merkbarkeit. Ausserdem würden sich die Anschlussverhältnisse an die SBB in Gümligen verschlechtern. Deshalb hat er den Worber Gemeinderat gebeten, nochmals bei der RBS-Direktion vorstellig zu werden, um für Worb und Rüfenacht bessere Verhältnisse zu fordern. In der heutigen Zeit dürften Verbesserungen im öffentlichen Verkehr nicht mit Verschlechterungen erkauft werden, schliesst er. Hans-Jakob Stricker hat für die Betroffenen in der Gemeinde Worb ein Zückerchen parat: Wenn das neue Rollmaterial vermehrt Leute zum Umsteigen auf den Zug veranlasse und damit die Frequenzen von Worb und Rüfenacht stark stiegen, könne er sich vorstellen, dass später der 10-Minuten-Takt über den ganzen Tag bis nach Worb ausgedehnt werde.
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