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Landbote, 7. März
1996
Bedürfnis, Utopie oder Gag?
Motion um das blaue Bähnli in Worb
Die Freie Liste von Worb möchte mit einer Motion erreichen,
die Strecke des blauen Bähnlis zu verlängern. Das Projekt hat bei den anderen
Parteien aber keine Chance.
Silvia Ben el Warda-Wullschläger
«Das
Dorf Worb hat sich in den letzten Jahrzehnten in die Länge gezogen. Für die
Bevölkerung auf der einen Seite wird die Haltestelle Worbboden gebaut. Den
anderen Ast wollen wir auch an unser Bahnnetz anschliessen.» Diese Begründung
steht in der Motion der Freien Liste. Eingereicht haben sie Parteipräsident
Hans-Ulrich Steiner und Marianne Morgenthaler. Diese Erweiterung der RBS-Linie
Richtung Osten sieht Steiner vor allem in Zusammenhang mit der Lindhalde-Überbauung. Das blaue Bähnli soll seiner Meinung nach bis ans Ende
des Dorfes, entlang der Schulhaus- und Blümlisalpstrasse, fahren. Dass dies
funktionieren könnte, davon ist Hans-Ulrich Steiner überzeugt, obwohl die Bahn
Strassen überqueren müsste. Als Beispiel führt er die Situation in Muri an,
wo dies auch möglich sei. «Unser Projekt lässt sich aber nur verwirklichen,
wenn die Umfahrung von Worb realisiert ist und somit der Verkehr im Dorf
abnimmt», betont er. Die Linienverlängerung, die Überbauung Lindhalde und die
Umfahrung müssten zusammen behandelt werden.
Negative Reaktionen
«Wir haben uns noch nicht eingehend mit dieser Motion
befasst», lautet der Tenor der Fraktionspräsidenten. Heinz Neuenschwander
(FDP) sieht das grosse Problem bei den Finanzen. «Zuerst müsste man abklären,
ob für das Verkehrsaufkommen eine Bahn überhaupt sinnvoll ist.» Hans Ulrich
Joss (SP) meint, dass es billigere Varianten gebe, um die Lindhalde zu
erschliessen. «Ich sehe die Lösung eher mit einem Ortsbus.» Ähnlich äussert
sich Jonathan Gimmel (Freie Wähler). Die Idee mit dem blauen Bähnli bezeichnet
er weder ökologisch noch ökonomisch als sinnvoll. Er betrachte das Ganze als
Wahlgeplänkel. Für Erwin Flückiger (SVP) geht das Ganze «in Richtung Gag.
Das ist keine seriöse Motion, sondern Schaumschlägerei, um vor den Wahlen ins
Gerede zu kommen.» Das Projekt sei nicht durchführ- und finanzierbar. Gar von
«Schwachsinn» spricht Benedict Seelhofer, Präsident der Freiheitspartei. Die
Motionäre wüssten nicht, wo das Geld hernehmen, wollten es aber dennoch
ausgeben. Heinz Eggimann (EVP), bezeichnet das Projekt als Utopie. «Man kann
doch in ein fertig überbautes Quartier ein Tram reinbauen. Wenn schon, hätte
man das Anfang der 60er Jahre tun sollen.»
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